18 Bioland Betriebsleiter – alle Eigentümer und Gesellschafter der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern – trafen sich bei ihrer Sommer-Sitzung auf dem Biolandbetrieb Bernhard Ruile im Dachauer Hinterland zu einem inhaltlichen Austausch mit dem Bioland Präsident Jan Plagge. Die in Sachen Vermarktung seit Jahren sehr aktiven Bioland-Mitglieder diskutierten formlos und ohne Tagesordnung die aktuellen Mega-Themen im Verband und in der Bio-Szene mit ihrem Vorsitzenden.

Themen waren der Deal mit dem Discounter Lidl, das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, die anstehende GAP-Reform sowie die Bio-Umsteller mit möglichen Vermarktungsproblemen – all dies wurde sehr ernsthaft und offen diskutiert.

Plagge sprach sehr offen über die Hintergründe und warb um Verständnis für die Politik des Bioland Verbands. Die Gesellschafter der VG Bio-Bauern nutzten das Gespräch trotzdem, um ihre Einschätzung zur Vermarktungspolitik des Verbands deutlich zu machen.

Die Sorge vor fallenden Preisen bei den Erzeuger-, aber auch Verbraucherpreisen für Bioland- Produkte trieb alle um und führte auch zur Forderung an den Bioland Präsident, bei dem großen Handelspartner eine klarere Haltung zu dessen Preispolitik einzunehmen.

„Wenn die Verbraucherpreise für Bioland-Produkte in den Filialen auch nicht höher sind, als beim großen Wettbewerber die für EU-Bio-Preise, dann wollen wir unsere höherwertigen Bioland-Siegel-Erzeugnisse nicht an diesen Kunden verkaufen“, so die Botschaft der anwesenden bayerischen Bioland Mitglieder. Plagge argumentierte, das begleitende Marktstudien ergeben hätten, dass über die Partnerschaft mit dem Handelsriesen ausschließlich Neu-Käufer an die Bioland Produkte herangeführt werden.
Für intensive Diskussion sorgte auch die Umstellungswelle im Ackerbau in Süddeutschland und die Zielsetzung von 30 % Öko-Betriebe. Die Biobauern forderten Jan Plagge auf, in den Verbandsgremien stärker auf den Aufbau von nachhaltigen Wertschöpfungsketten zu achten und nicht zu vielen konventionellen Verarbeitern und Händlern das Bioland Zeichen zu übergeben. Die Gefahr sei sehr groß, dass angestammte nachhaltige Absatzkanäle und Abnehmer gefährdet werden und der Druck auf die Erzeugerpreise größer wird. Jan Plagge ließ wissen, dass er diese Überzeugung teile und dankte den Mitgliedern der VG Biobauern, dass sie sich erst kürzlich an einer gemeinsamen bundesweiten Vertriebsgesellschaft für Bioland Gemüse und Kartoffeln beteiligt hätten.

Lob von den Biobauern gab es für Präsident Plagge für sein engagiertes Eintreten für eine Reduktion der zugelassenen Rohstoffe bei Bioland. Die Verpflichtung der Futtermittelwerke, über das neu eingeführte Quotensystem vorrangig originäre Bioland Rohstoffe einzusetzen, zeigt bereits erste Erfolge, wie der Geschäftsführer der VG Biobauern, Andreas Hopf bestätigte. Präsident Plagge und die bei der VG Biobauern engagierten Bioland-Mitglieder trennten sich mit der gegenseitigen Zusicherung, auch weiter offen, konstruktiv und wenn nötig kontrovers für die gemeinsamen Ziele zu kämpfen.